Phobische Störungen 1. Einführung a) Unsere Erfahrungen mit PatientInnen mit phobische n Störungen. Angst ist ein ubiquitär menschliches Phänomen, dem als Warnsignal eine wichtige Bedeutung im menschlichen Leben zukommt. Wenn die Abwehr unerträglicher Angst misslingt und die Angst zum Leitsymptom wird, bekommt sie krankheitswertige Bedeutung. Angst- und phobische Störungen machen in der Bundesrepublik zusammen mit depressiven Störungsbildern den Hauptteil behandlungsbedürftiger psychischer Störungsbilder aus. Dem entsprechend ist die diagnostische Gruppe der Angst- und phobische n Störungen in der psychosomatischen Abteilung der Habichtswaldklinik nach der Gruppe der depressiven Störungsbilder die am häufigste behandelte. Seit Aufnahme der Arbeit der psychosomatischen Abteilung 1987 haben wir eine große Zahl von PatientInnen mit Angst- und phobische n Störungen mit gutem Erfolg hier behandelt. Wir arbeiten auf der Basis eines ganzheitlichen, multimodalen und multiprofessionellen Therapiekonzepts, das sich im Laufe der Jahre mit unserer Erfahrung und unter dem Einfluss neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse fließend gewandelt hat. b) Die Symptomatik der Angst- und Phobischen Störungen Unter dem Begriff der Angst- und phobische n Störungen fassen wir im folgenden die Panikstörung, die generalisierte Angststörung, die Angst und depressive Störung gemischt, die Agoraphobie, die sozialen Phobien und sonstige phobische Störungen zusammen. Psychobiologisch verstehen wir Angst heute als neuroendokrine Stressreaktion, die nicht erst auf der Entwicklungsstufe des Menschen, sondern schon weit vorher im Tierreich bereits auf der Stufe der Fische, Reptilien und Vögel auftritt. Die Stressreaktion hatte und hat, wie wir heute wissen, in der evolutionsbiologischen Entwicklung eine große Bedeutung. Sie ist Grundlage der Entwicklung immer größerer und lernfähigerer Gehirne. Im Leben des Einzelnen sorgt die mit Angst aufs engste verbundene, möglicherweise von ihr ausgelöste, neuroendokrine Stressreaktion, dafür, dass das Gehirn remodellierbar und damit anpassungsfähig an neue innere und äußere Lebensbedingungen bleibt. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Stress- und Angstforschung der neueren Zeit untermauern unser tiefenpsychologisches Verständnis von Angst. Angst als Symptom, bei der man sich un-heimlich, d.h. bei sich selbst und in der Welt nicht Zuhause fühlt, ist oft ein Zeichen dafür, dass der Betroffene in seiner inneren oder äußeren Lebenswelt in eine Sackgasse geraten ist, dass bisherige Strategien, das Leben zu bewältigen und im Gleichgewicht zu sein, nicht mehr greifen und dass man sich von sich selbst entfernt hat. Angst bedeutet Enge, Hilflosigkeit, unangenehme Erregung, Spannung; bedeutet Stressreaktion mit den entsprechenden neuro- und psychovegetativen Erscheinungen (beschleunigte Atmung, erhöhter Puls, sympathikotone Steuerung, hinzu treten können Schwindel, Brechreiz, Übelkeit, Durchfall, Harndrang, Parästhesien, Schweißausbrüche, Zittern, Hyperventilation, Schlafstörungen, allgemeine Reizbarkeit, gesteigerte Erregung, Überempfindlichkeit gegen Geräusche). Während bei der Panikstörung gehäufte Angstattacken auftreten und zwischen diesen im Prinzip Angstfreiheit herrscht, besteht bei der generalisierten Angststörung ein durchgehend erhöhter Angstpegel. Bei den phobische n Störungen wird die Angst überwiegend durch klar definierte, eigentlich ungefährliche Situationen hervorgerufen. Diese Situationen werden dann vermieden oder können nur unter Angst ertragen werden. Phobische Störungen können sich auch auf Körperwahrnehmungen beziehen, z.B. Herzklopfen, unregelmäßigen Herzschlag oder körperliche Schwäche. Damit verbunden sind dann meistens sekundäre Ängste (zu sterben, wahnsinnig zu werden, die Kontrolle zu verlieren). Kennzeichnend ist auch eine Erwartungsangst, die allein schon bei der Vorstellung, dass die phobieauslösende Situation eintreten könnte, auftritt. Die unterschiedlichen Angstsymptome können sich in verschiedenster Art und Weise kombinieren. 2. Die Behandlung Die Behandlung erfolgt in einem fachärztlich geleiteten, langjährig erfahrenen, multiprofessionellen Team aus Ärzten, Therapeuten mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten und Krankenschwestern/Pflegern mit dem Schwerpunkt der Gruppentherapie, die unterschiedliche Therapieverfahren auf tiefenpsychologisch fundierter Basis kombiniert, dabei verhaltenstherapeutische, systemische und übende Elemente integriert. Begleitet wird die Gruppentherapie von regelmäßigen Einzelgesprächen, Entspannungsverfahren, sportlichen Aktivitäten und ressourcenfördernden und roborierenden Therapieangeboten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. a) Therapieziele Aus der breit gefächerten Symptomatik der Angst- und phobische n Störungen lassen sich eine Reihe von Therapiezielen direkt ableiten:
Ø
Zunächst hat die Aufklärung der PatientInnen
über körperliche und seelische Grundlagen von
Ø
Entspannungsförderung, Stressmanagement und
Angstmanagement im Speziellen oder Ø Verstehen der Bedeutung der Angst im eigenen Leben Ø Erleben der Angst als blockierte oder in Sackgassen führende Energie und
Ø
Entwicklung
von Vorstellungen und Strategien, um bisher Gemiedenes und nicht Gelebtes
Ø
In der Therapie eingeübte Veränderungen im
mentalen und emotionalen Erleben und im b) Die Therapien und ihre grundlegenden Prinzipien Grundlegend wichtig im Sinne der ganzheitlichen Behandlung ist uns die Herstellung und Erhaltung einer die Heilung fördernden, respektvollen, achtsamen und entspannten Atmosphäre. Dies drückt sich auf allen Ebenen aus, von der Gestaltung der Räumlichkeiten bis hin zum mitmenschlichen Kontakt.
Gruppentherapie
Körpertherapie
Kunsttherapie
Atemtherapie
Einzeltherapie
Gespräch mit Angehörigen
Ärztliche und psychopharmakologische Behandlung
Entspannung und Aktivierung
Ressourcenfördernde Angebote
Freizeit c) Zusammenarbeit mit ambulanten Behandlern und Kostenträgern Sowohl im ärztlichen als auch im therapeutischen Bereich legen wir Wert auf eine gute Kooperation mit den ambulanten Behandlern, die ihre PatientInnen oft über viele Jahre kennen und etwa im Bereich der Psychopharmaka - Behandlung mit den einzelnen PatientInnen schon wichtige Erfahrungen gemacht haben. Für die Kostenträger wird es zunehmend wichtig, auch im Hinblick auf sinnvolle und zielführende Geldausgaben, Gesamtbehandlungskonzepte im Auge zu haben und mit den Behandlern zusammen zu entwickeln. Wo immer möglich, sind wir hier jederzeit zu konstruktiver Zusammenarbeit bereit. 3. Ergebnisse Unsere Behandlungsergebnisse bei PatientInnen mit Angst- und phobische n Störungen sind in zweierlei Hinsicht sehr gut: Zum einen in der Beurteilung der PatientInnen über Symptomverbesserung, Wiedergewinnung durch die Angst eingeschränkte Lebensmöglichkeiten und Arbeitsfähigkeit, zum anderen unter Berücksichtigung des Preis/Leistungs-Verhältnisses: Gute Ergebnisse erreichen wir mit kurzen Aufenthaltsdauern, so dass die Gesamtbehandlungskosten in der Habichtswaldklinik niedrig liegen. Seit 1998 wird unsere Basisdokumentation von Herrn Professor Dr. Koch und Mitarbeitern, psychologische Abteilung der Universität Hamburg Eppendorf, ausgewertet. Bezogen auf im Jahr 2001 behandelte PatientInnen erfolgte erstmals eine ausführliche, ebenfalls von Herrn Professor Dr. Koch durchgeführte und evaluierte Katamneseerhebung mit erfreulichen Ergebnissen. Der ausführliche Evaluationsbericht steht zur Einsicht zur Verfügung. Tilla Fischer, Oberärztin
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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